International archive for academic videos
videos and topics

Your search is running...

Rechtspopulisten mit antidemokratischer Gesinnung haben in den letzten Jahren an Zustimmung gewonnen - auch bei Arbeitnehmer*innen und selbst unter Gewerkschaftsmitgliedern. 

Das gibt zu denken und passt erst einmal nicht zusammen. Ist doch die demokratische Teilhabe an politischen Entscheidungsprozessen teuer erkämpft und gerade für Arbeitnehmer*innen besonders wichtig, damit sie ihre Interessen durchsetzen können. 

In diesem Topic geht es um die vitalen Funktionen der Demokratie: Können Demokratien sterben? Ja. Was macht sie krank und schwach? Was macht sie stark und hält sie lebendig?

5e82458dd831d-normal.jpg

Bild von reginasphotos auf Pixabay

Rechtspopulismus in der Arbeitswelt - eine Herausforderung für Gewerkschaften

Mit dem Einzug der AfD in die Länderparlamente und den Bundestag hat die rechtspopulistische Offensive auch die Bundesrepublik erreicht. Fremdenfeindliche und ressentimentgeladene Haltungen schlagen sich in den Wahlerfolgen der Rechtspopulisten nieder und finden sich auch in der betrieblichen Arbeitswelt – selbst unter Gewerkschaftsmitgliedern.

In einem Schwerpunktheft der wissenschaftlichen Zeitschrift WSI-Mitteilungen diskutieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diese Entwicklung: Im Fokus stehen wissenschaftliche, empiriegestützte Analysen und Erklärungsansätze für  rechtspopulistische Orientierungen in der Arbeitswelt. 

mehr zu den Ergebnissen der Studie

Können Demokratien sterben?

In Demokratien kommen unterschiedliche Anschauungen zur Geltung; sie haben Krisen und durchlaufen Prozesse. Das liegt in ihrer Natur. Antidemokraten nutzen diese Probleme in den Demokratien und wenden sie populistisch gegen sie.
Prof. Dr. Ursula Birsl, Professorin für Politikwissenschaft an der Philipps-Universität in Marburg hebt im Video unten den prozessualen Charakter der Demokratie hervor, der auch dazu führt, dass Herrschaft und Herrschaftsverhältnisse immer wieder hinterfragt und demokratisiert werden.
Demokratien können sterben, so warnt sie, wenn wir es zulassen, dass das Prozessuale der Demokratie immer weiter zurückgedrängt wird. Während der Neoliberalismus Ungleichheit verstärkt und soziale Konflikte verschärft, nutzen anti-demokratische Akteuren diese Konflikte, um die öffentlichen Debatten zu polarisieren und zu ethnisieren, um diese in Richtung Nationalismus und Autoritarismus zu verschieben. 
Von pro-demokratischen Akteuren hängt es ab, "...das Prozesshafte wieder zu beleben und zu transformieren und so die Demokratie wieder in die Gesellschaft hineinzutragen". 

Demokraten und Populisten, Geschichte und Geographie.

Zwischen 1918 und 1938 wurden in 16 demokratisch legitimierte Regierungen durch autoritäre oder faschistische Systeme gestürzt. 

Der Historiker Prof. Dr. Manfred Berg referiert im Video unten über die Dynamik (anti)demokratischer Entwicklungen unter verschiedenen historischen und geografischen Bedingungen.

Nach seiner Ansicht handelt es sich beim Rechtspopulismus um eine „Gegenbewegung gegen kosmopolite Eliten“, die „das Volk als ethnokulturelle Gemeinschaft“ definiere. Die Volksherrschaft sehen die Rechtspopulisten nur gegen diese Eliten und die demokratischen Institutionen, in der Diktatur verwirklicht.
Um die Demokratie zu schützen, müssten die demokratischen Kräfte, so Berg, Demagogen konsequent von der Macht fernhalten, indem sie sich ideologisch klar distanzieren und die Zusammenarbeit mit ihnen verweigern. 

Starke Arbeitnehmer, starke Demokratie

Die Stärke der politischen Demokratie und die Mitbestimmung in der Wirtschaft hängen zusammen. Das zeigt ein Vergleich europäischer Länder.

Wo Arbeitnehmer in Unternehmen handfeste Mitsprache­rechte haben, ist meist auch die politische Demokratie stärker. Das dürfte daran liegen, dass Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter auch über die betriebliche Ebene hinaus politisch wirken und damit die Zivilgesellschaft stärken, schreibt Sigurt Vitols vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). Gleichzeitig sorge die Mitbestimmung in der Wirtschaft auch bei politischen Wahlen für eine stärkere Beteiligung der Arbeiterschicht. Außerdem wirke sich die aus der Mitbestimmung resultierende größere soziale Verantwortung der Unternehmen auf die Politik aus.

Der WZB-Forscher hat zwei Kennzahlen zueinander in Beziehung gesetzt: Den European Participation Index, ein „universelles Maß für den Umfang der Arbeitnehmerbeteiligung in der Wirtschaft“, und das WZB-Demokratiebarometer, das Aufschluss über „die Qualität der Demokratie“ gibt. Dabei zeigt sich, dass beide deutlich miteinander korrelieren. In Ländern mit starker Arbeitnehmerbeteiligung erreicht meist auch der Demokratie-Index hohe Werte. In beiden Dimensionen besonders gut schneiden die skandinavischen Länder ab. Am unteren Ende liegen Bulgarien, Rumänien und die baltischen Staaten. Deutschland findet sich im oberen Mittelfeld.

mehr

Kritisch, demokratisch, gut

Kritische Bürger sind interessierte Bürger und damit die ideale Ressource für eine Demokratie. Die richtige Dynamik für eine positive Weiterentwicklung des Systems bringt aber erst eine Mischung von zufriedenen und unzufriedenen Demokraten - so die Kernbotschaft einer empirischen Studie des WZB.

Ja-Sager oder Kritiker, zufriedene oder unzufriedene Demokraten - welche Bürgerinnen und Bürger bringen die Demokratie am besten voran? Auf der Grundlage einer Befragung von 2.000 Menschen in Ost- und Westdeutschland versuchte das Team um die Politologin Brigitte Geißel, bestimmte Typen herauszukristallisieren, die wichtig für das Funktionieren einer Demokratie sind.


Als Ausgangspunkt setzten die Forscher die Überzeugung: Eine Demokratie muss sich ständig weiter entwickeln und dazu auch fähig sein. Ihr Fazit: Eine Mischung aus politisch zufriedenen und unzufriedenen, kritikbereiten Demokraten ist die ideale Ressource für eine Demokratie. "Die sich daraus entwickelnde Dynamik könnte einen demokratischen Entwicklungsprozess fruchtbar vorantreiben", heißt es.

Erstmals sind in der Studie die drei Aspekte "politische (Un-)zufriedenheit", "Kritikbereitschaft" und demokratische Einstellung zusammengeführt worden, was die Typenbildung möglich machte.

Nicht-Demokraten: Sie machen 18,8 Prozent der Befragten aus. Diese Gruppe wurde nicht weiter unterteilt.
Demokratie-Befürworter: Sie sind mit 70 Prozent der Befragten am stärksten verbreitet. Diese Gruppe betrachteten die Forscher hinsichtlich der beiden anderen Merkmale genauer:
- politisch kritikbereit und zufrieden: 26,6 %
- politisch kritikbereit und unzufrieden: 16,3 %
- nicht kritikbereit und zufrieden: 18,4 %
- nicht kritikbereit und unzufrieden: 8,7 %
Über 10 Prozent der Befragten konnte das Team aufgrund fehlender spezifischer Angaben nicht einbeziehen.

mehr

Mehr zum Topic

  • PEGIDA, AFD UND CO: EINE VERTRAUENSKRISE: Gewerkschafter sind nicht immun gegen Rechtspopulismus. In Betrieben und Gewerkschaftshäusern ringt man um den richtigen Umgang mit Freunden und Kollegen. mehr
  • KAMPF UM DIE KÖPFE: Auch in Betrieben nehmen die Vorbehalte gegen Zuwanderer und Flüchtlinge zu. Betriebsräte von BMW und TUI werben für Vielfalt im Dialog mit ihren Belegschaften und argumentieren gegen rechte Stimmungsmache. Von Jörn Boewe und Johannes Schulten mehr
  • GARANTEN DER VIELFALT: Rund 100 Gewerkschaftsvertreter sitzen in den -Rundfunkräten und Aufsichts-organen der Landesmedienanstalten. Die Öffentlichkeit beachtet ihre Arbeit kaum. mehr
  • VERUNSICHERTE MITTE: Abstiegsängste sind in Deutschland bis weit hinein in die Mitte der Gesellschaft verbreitet. Das machen sich Rechtspopulisten zunutze. mehr

Böckler Topics

Soziale Ungleichheit: Die Schere öffnet sich


Zukunft der Demokratie: Politik und Arbeit


Europa: Wie denken wir uns Europe, wie sehen wir Europa?


Zukunft der Arbeit: Ideen sind das Wichtigste!


Mitbestimmung: Eine Forderung unserer Zeit


Nachhaltige Arbeit: Klimaschutz sozial gerecht gestalten


Böckler Port

zur Hauptsite der Hans Böckler Stiftung